Dienstag, 14. August 2012

Ethanoltränen

Hauptstadtimpressionen


U2 Richtung Uhlandstraße, Abends.
Ein offenbar angetrunkener älterer Herr fragt seinen Sitznachbarn nach dem Weg zum Zoo. Er erzählt, er habe seinem Sohn nun endlich gesagt, dass seine Mutter seit eineinhalb Jahren verschieden sei. Seitdem sei er jeden Tag besoffen, beginnt er zu wimmern. "Das ist nicht gut! Ich habe niemanden mehr." Tränen laufen über sein verzerrtes Gesicht. Über den U-Bahn-Wagen legt sich empathische Stille. Im gleichen Moment erscheint eine Meldung im Berliner Fenster über ihm: "Berliner Rentner haben oft Alkoholprobleme."
Das nennt man wohl Situationstragik.