Es ist Sonntag Vormittag. Ich stehe auf dem Bahnhof Frankfurter Allee in Friedrichshain und warte auf die Ringbahn. Die Ereignisse des Vorabends haben meinen Zustand in eine Phase des schläfrigen Dahin-Vegetierens verwandelt. Angelehnt an einen Pfeiler des Bahnhofes beobachte ich die umherstehenden Menschengrüppchen. Ein junger Mann im Schlabberlook berichtet seiner Freundin von mutigen Heldentaten auf einer Demonstration gestern. Wie er sich zwischen die staatliche Knüppelhorde in dunkelblauer Uniform und hilfesuchende Friedensaktivisten stellte und sie mit seiner ganzen Männlichkeit in Schutz nahm. Er redet von Behördengewalt und Schlagstockwahnsinn. Die junge Dame fällt im ins Wort: "Zum Glück gibts es ja die Piraten. Mit denen hört das alles auf." Super Aufhänger. Er beginnt von seiner waghalsigen Theorie zu erzählen - die Piraten? Schön und gut, aber lange halten werden die sich nicht können. Warum? "Wenn die zu mächtig werden, zu viele von uns dazu gewinnen, dann werden die unterwandert und zerstört. Das ist doch klar. Dafür gibt es die Obmänner, oder auch V-Männer."
Eine gewagte These.
V-Personen, das nur zur Erklärung, sind sogenannte Verbindungs- oder
Vertrauens-Leute, die von Nachrichtendiensten, Polizei oder
Verfassungsschutz als Informanten aus kriminellen oder extremistischen
Milleus genutzt werden. Sie sind in die jeweiligen Strukturen integriert
und somit unauffällige Informationsquellen für Ermittler und Behörden.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen