Der Handel mit dem Tod – Waffenexporte aus Deutschland.
Doppelmoral. Dieses Wort schoss mir beim Recherchieren über das Thema der deutschen
Doppelmoral. Dieses Wort schoss mir beim Recherchieren über das Thema der deutschen
Rüstungsexporte immer wieder durch den Kopf.
Mit den Waffenexporten ist es wie mit dem Ausstieg aus der Atomenergie. Hierzulande
schreien die Politiker seit der furchtbaren Katastrophe in Fukushima, Japan, nach einer
ganzheitlichen Abschaltung der Atomkraftwerke, beziehen aber weiter Atomstrom aus dem
nahen Ausland und gestatten es deutschen Firmen, Kraftwerke in anderen Ländern zu bauen.
Das Gleiche gilt für die Unterstützung der kriegerischen Konflikte auf diesem Planeten:
Die Kampfpanzer Abrams M1 A1, Kampfmaschinen von NATO und US Army, sind mit
120-mm-Glattrohrkanonen der deutschen Firma Rheinmetall ausgerüstet. Ein lukratives
Geschäft.
Ab 2012 wird Deutschland zwei „Dolphin“-U-Boote mit Brennstoffzellenantrieb von der
größten deutschen Werft HDW an Israel liefern. Sie sind in der Lage, atomar bestückbare
Marschflugkörper auf ihre Ziele abzufeuern.
Die Kampfpanzer der Reihe Leopard aus deutscher Produktion (KMW) sind Exportschlager
in alle Herren Länder und überall auf der Welt unterwegs. EU-Partner wie Dänemark,
Finnland, Norwegen, Griechenland, Niederlande, Polen, Österreich, Portugal, Schweden und
Spanien, die internationalen Staatsfreunde Kanada und die Schweiz, aber auch fragwürdige
Abnehmer wie Katar, Saudi-Arabien, und die Türkei wurden mit Leopard-Panzern
ausgerüstet. KFOR-Truppen verwendeten sie beim Einmarsch im Kosovo und die ISAF
kämpft mit ihnen seit 2007 in Afghanistan.
Der Waffenhersteller Heckler & Koch (HK), das „tödlichste Unternehmen Deutschlands“,
rüstet viele Staaten mit Gewehren und Pistolen als Infanterie-Waffen aus.
Auch veraltete Waffen wurden keineswegs abgewrackt, sondern einfach weiter gegeben. Der
Zyklus von Waffen ist lang und ertragsreich für alle Beteiligten.
Das Sturmgewehr G3 (HK) aus alten Bundeswehrbeständen wird heute zum Beschuss
protestierender Zivilisten in vielen afrikanischen Staaten genutzt.
Das Wehrmaterial der NVA wurde nach 1990 unter dem Begriff „Abgabe von Material an
45 Nationen und an die UNO“ und im Rahmen „kostenloser Hilfeleistung“ an Drittstaaten
verkauft, die Nahrungsmittel weitaus besser hätten gebrauchen können. Somit leistete die
BRD, wenn auch indirekt, ihren Teil zum Golf- und Irakkrieg durch Lieferungen der alten
Kriegswaffenbestände der NVA.
Mit dem Know-How der deutschen Waffenhersteller werden überall auf der Welt Waffen
nach erkauften Lizenzen gebaut, um damit die umfangreichen Exportbestimmungen zu
umgehen. Viele Trägersysteme und Kampfmittel werden mit deutscher Hilfe hergestellt
und entwickelt und überall auf der Welt wird mit ihnen geschossen. Selbst die Taliban, der
Inbegriff des verhassten islamistischen Terrorismus, kämpfen vermutlich mit Waffen der
Hersteller HK und Walther.8 In den etablierten Medien wird dies jedoch immer häufiger
totgeschwiegen oder beiläufig erwähnt, denn es ist ja schließlich Geld, was damit verdient
wird und Geld stinkt bekanntlich nicht. „Pecunia non olet“.
Das waren nur einige wenige exemplarische Beispiele dafür, dass man – unabhängig davon,
wo man gräbt – immer die Beteiligung deutscher Waffenfirmen entdecken kann.
Der Waffenhandel – er ist und bleibt ein Bombengeschäft.
700 Millionen Feuerwaffen sind weltweit derzeit im Umlauf.
Jährlich werden 14 Milliarden Schuss produziert. Zwei für jeden Menschen.
Es existiert ein riesiger Weltmarkt für Kleinwaffen, obwohl sie tagtäglich rund um den
Planeten Menschen das Leben kosten. In schöner Regelmäßigkeit entrüstet sich ein Teil der
internationalen Staatengemeinschaft und der EU – auch die großen Waffenlieferanten unter
ihnen – und fordern die Unterzeichnung einer internationalen Konvention, die diesem Handel
Einhalt gebieten soll. Keine einfache Aufgabe, wenn man weiß, dass sich nicht nur die USA
seit Ewigkeiten der Unterzeichnung verweigern.
Der Handel mit dem Tod ist für viele ein äußerst einträgliches Geschäft.
Titel: Cicero, Pro Milone
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