Donnerstag, 1. September 2011

Werbekampagne für Terrorregime.

Tanken beim Diktator.

Ein lokaler Radiosender aus Berlin warb mit Freitank-Spielchen für den staatslibyschen Ölkonzern Tamoil. Offenbar waren die zuständigen Mitarbeiter in selbstständigen Denken noch nicht so geübt. Es ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen. Aber ohne notwendige Informierung vollkommen blind Marketing für ein Unternehmen zu machen, ist alles andere als professionell.

Betr.: Blutige PR
Sehr geehrte Frau Soundso,

soeben hörte ich im Radio von
»Julianes Freitank-Woche mit den HEM Tankstellen«.
Wissen Sie eigentlich, wer Inhaber der HEM-Tankstellen ist? Vermutlich nicht, sonst würden Sie zur Kenntnis genommen haben, dass hier kein Geringerer als der in den Medien auffällig gewordene Staatspräsident/Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi am Werk ist.

Sie unterstützen mit ihrer (Promotion-)Aktion ein terroristisches Schreckensregime in Nordafrika und das ist - meines Wissens nach - ein schwerer Verstoß gegen internationales Völkerrecht. Ich fordere Sie auf, ihr Handeln zu überdenken und bestenfalls diese irrtümlich ins Leben gerufene Kampagne als groben Unfug einzustellen. Andernfalls müssen Sie mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.

Die HEM-Tankstellen gehören mittlerweile zur Tamoil.
Die Tamoil ist - falls Sie es nicht wissen sollten - ein libyscher Ölkonzern.
Heute betreibt die Deutsche Tamoil GmbH mit Sitz in Elmshorn ca. 350 Stationen unter den Marken HEM und Tamoil in Deutschland.

Wie wär's denn noch mit einer Spendenaktion für die grausamen Militärtruppen Muammar al-Gaddafis? Ersatzweise könnte man ja auch freiwillige Söldner nach Libyen schicken oder die H&K-GmbH um eine Waffenspende für al-Gaddafis Unrechtsregime bitten.

"Herr vergib' ihnen, denn Sie wussten nicht, was sie tun."

Mit freundlichen Grüßen,
Simøn Smørrebrød

# Der Radiosender antwortete promt.

Hallo Herr Smørrebrød,
erstmal danke fürs 104.6 RTL hören.

Wir haben uns natürlich auch mit dem Thema beschäftigt und sind zu folgendem Schluss gekommen. Warum sollen wir einen „kleinen“ Tankstellenpächter und seine Angestellten bestrafen, die für die Geschehnisse in Libyen gar nichts können. Außerdem haben sich in Libyen mittlerweile sehr viele Besitzverhältnisse geändert…keiner weiß mehr genau welchem Stamm und welchen Personen welches Ölunternehmen gehört.
Deswegen haben wir uns entschieden lieber unsere eigenen Leute zu unterstützen…also unsere Hörer und die Gewerbetreibenden in unsrer Stadt.
Ich hoffe, Sie können mit unserer Erklärung etwas anfangen. Wenn Sie noch weitere Fragen haben, können Sie mir gerne schreiben.

Viele Grüße,
Frau Soundso, 104.6 RTL.

EDIT: Mittlerweile hat der Sender die Aktion aus seinem Programm genommen.

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